French Concession Shanghai

Am europäischsten ist China in einem kleinen Stadtteil in der nördlichen Innenstadt Shanghais. Die ehemalige Französische Konzession erwartet einen mit Strassen, die durch Platanen gesäumt sind und kleine Häuser beherbergt, die genauso gut in einer europäischen Innenstadt stehen könnten. Die Konzession ist jedes mal ein Fixpunkt meiner Shanghaibesuche.  Als ich das letzte mal mit Ran wieder das Vergnügen hatte war es frühmorgens.

Die Regenzeit hatte gerade begonnen, welche im August in Shanghai recht heftig ausfallen kann.

Der Vormittag ist jene Zeit in der aus der Station nur wenige Touristen oder Besucher aussteigen. Hauptsächlich Shanghainesen auf dem Weg zur Arbeit. Die Straßen in diesem kleinen Viertel sind menschenleer und man ist überrascht bei jedem Auto das vor überfährt  Genau dieses Gefühl gibt es in asiatischen Großstädten äußerst selten. Ein unvertrautes Gefühl der Stille und Eintracht lädt ein ein wenig zu flanieren.

Stück Europa in Asien
Schön ist es zu sehen das die Stadtregierung diesem Teil ihrer Stadt auch ihre Seele lassen möchte. Ich bin dieses Mal ganz entzückt in einen Innenhof eines kleinen Bürohauses eingedrungen, der mir sehr nach original Art-Deco aussah. Ran und ich haben den Türsteher (wieder einmal) links liegen gelassen und sind die Stufen nach oben immer weiter gegangen. Ein Detail nach dem anderen hat mein Herz höher schlagen lassen. Lüster, Türschilder, Liftauskleidungen etc. Als wir wieder unten waren staunte ich nicht schlecht als sich auf einer Infotafel das Baudatum mit dem Jahr 2006 herausstellte.
Ich muss jedoch festhalten – es war authentisch und ganz toll nachgebaut und hat sich perfekt in die Szenerie eingefügt.
Das diese Gegend auch nach der Revolution beliebt war zeigt das Museum zu Ehren des chinesischen PEN Präsidenten 巴金 (Ba Jin), dessen ehemaliges Haus sich ebenfalls nur einen Steinwurf entfernt befindet. Großes Haus, großer Garten in einer schwierigen Zeit in der Geschichte der Volksrepublik China.
Das verträumte Fleckchen am Vormittag verwandelt sich jedoch schnell in einen der pulsierendsten Stadtteile Shanghais nach oder kurz vor Sonnenuntergang. Die Straßen werden brechend voll aufgrund der tollen Ausstattung an Restaurants, Bierbrauereien oder Weinlokalen. Hier gibt es alles was man in allen verschiedenen Teilen der Welt an Kulinarik finden kann. Dieses Mal war ein italienisches Restaurant mit Ran dran. Die Spaghetti Carbonara und die Pizza Margharita hätte man in dieser Qualität auch in einem kleinen Ristorante in der Innenstadt von Sienna serviert bekommen.
Das Flair hier ist unvergleichlich.
Es ist jedoch für jemanden der Ruhe sucht nicht anzuraten am Nachmittag oder Abend zu erscheinen. Leidvoll habe ich das im Jahre 2014 hier erlebt. Leicht verkatert von der Vornacht wollte ich mich ein wenig reparieren im ältesten hiesigen englischsprachigem Buchladen, dem Shanghai Bookworm. (Pendant zum Beijing Bookworm in Sanlutin) Der Buchladen war jedoch, wie die gesamte Umgebung voll mit Menschen – wenn auch mit leicht intellektuell und veganem Anspruch. Vielleicht übertreibe ich hier aber auch nur ein wenig.

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